GSV Würzburg 1940 e.V.

Details

Aus der fast 70-jährigen Geschichte

Im Winter 1939/40 trafen sich in der damaligen Gaststätte "Württemberger Hof" in der Gotengasse öfter zahlreiche junge Gehörlose, um bei Unterhaltung und Spiel einige frohe Stunden zu erleben. Dabei wurder der Wunsch geäußert, auch in Würzburg einen Gehörlosen-Sportverein zu gründen. So wurde im Mai 1940 eine Gehörlosen-Fußballabteilung im FC Würzburger Kickers gegründet, die zum heutigen Gehörlosen-Sportverein e.V. führte.

Die Gründungsmitglieder waren folgende Kameraden: Franz Jäger, Robert Klinger, Helmut Ott, Willi Stürmer, Hermann Mützel, Robert Grau, Fritz Döhler, Franz Halbich, Franz Bauer, Franz König, Michael Schlier und Rudolf Mergler die alle schon verstorben sind.

1. Fußballspiel nach der Gründung auf dem Kickersplatz Juni 1940

Die erste Aufgabe der Fußballabteilung bestand darin, die vielen abseits stehenden jungen Gehörlosen für das Fußballspiel zu begeistern und alte Vorurteile zu beseitigen. Im Laufe der Zeit fanden immer mehr Gehörlose Freunde an der sportlichen Bestätigung und die Mitgliederzahl stieg ständig.

1941 wurde bei der Jahreshauptversammlung die Fußballabteilung umbenannt und zwar in "Gehörlosen-Sportgemeinschaft Würzburg" und außerdem eine Kegelabteilung gegründet. Ihren 1.Vorsitzenden wurde Ludwig Dahlheimer gewählt. Vom FC Würzburger Kickers trennte sich diese Sportgemeinschaft aber schon bald und trat dem Sportverein 09 Würzburg bei, da ihr dort bessere Entwicklungs Möglichkeiten geboten wurden.

Im Frühjahr 1941 wurde unser Sportverein Mitglied im Deutschen Gehörlosen-Sportverband. Im Sommer 1941 wurde noch eine Leichtathletikabteilung gegründet. Anfang September 1941 trat Dahlheimer zurück; Franz Jäger trat seine Stelle und hatte den Vorsitz bis Frühjahr 1970 inne, also 29 Jahre. Nur 2 1/2 Jahre blieben wir beim Sportverein 09 Würzburg. 1943 schloss sich unser Sportverein als eigene Abteilung dem Würzburger Fußballverein 04 an.

Als am 16. März 1945 Würzburg im Bombenhagel unterging, verloren nahezu alle unsere Mitglieder Hab und Gut und wurden in alle Richtungen zerstreut. Und da in Würzburg die Sportanlagen so zerstört waren, so dass eine sportliche Betätigung auf Vereinsebene nicht möglich war, mussten wir uns nach einer Ausweichmöglichkeit umsehen, einem Gastverein, der uns aufnehmen konnte. Da erfuhren wir, dass die 1943 gegründete Gehörlosen-Sportgemeinschaft in Schweinfurt den Spielbetrieb schon im Herbst 1945 wieder aufgenommen hatte. Deshalb schloss sich unser Verein Schweinfurt an und der Vereinsname lautet jetzt Gehörlosen-Sportgemeinschaft Schweinfurt/Würzburg, Abteilung im FC 05 Schweinfurt. Vorstand blieb weiterhin Franz Jäger. Auch während der Schweinfurter Zeit ging es gut vorwärts. Die Fahrten dorthin waren während der Reichsmarkzeit von 1945 bis 1948 zwar schwierig, aber finanziell ohne weiteres zu verkraften, denn man konnte sich für die Reichsmark in dieser Lebensmittelkarten- und Hungerzeit ohnehin nichts kaufen. Trotzdem erforderten diese Vereinsjahre in Schweinfurt von unseren damaligen Mitgliedern viel Idealismus, denn die Fahrten waren oft sehr umständlich und zeitaufwendig. Aber im Bewusstsein, wieder dabei zu sein, Sport zu betreiben zu können, brachten diese Mitglieder diese Opfer gerne.

Nach der Währungsreform im Juni 1949 waren die ständigen Fahrten zunächst nicht mehr zu finanzieren, und außerdem wurde der Wunsch laut, doch den Vereinsschwerpunkt für die Würzburger Mitglieder wieder in der Heimatstadt einzurichten. Aus diesem Grund lösten wir uns Anfang 1949 wieder von Schweinfurt und kehrten nach Würzburg zurück. Als Abteilung traten wir wieder dem Würzburger FV 04 bei und auch der Vereinsname wurde geändert und zwar in "Gehörlosen-Sportverein Würzburg". Noch heute trägt unser Verein diesen Namen. Es wurde außerdem noch eine Wanderabteilung gegründet.

1950-1954 ruhte wegen Spielermangel der Spielbetrieb der Fußballabteilung, ebenso die Leichtathletikabteilung. Im Mai 1954 nahm unsere Fußballabteilung den Spielbetrieb wieder auf, da genug Spieler zur Verfügung standen. Und dann schloss sich unser Verein dem ETSV Würzburg als Abteilung an und blieb dort bis 1959.

Dann aber machte sich unser Verein endgültig selbständig und wurde auch Mitglied im Bayerischen Landessportverband, ebenso im Verband der Würzburger Sportvereine (früher Stadtverband für Leibesübungen). Seit 1959 spielte unsere Mannschaft auf dem Platz der F.T. Würzburg. Erwähnenswert ist noch, dass unser Sportverein am 18.04.1964 beim Registergericht als eingetragener Verein anerkannt wurde.

In den Jahren 1959 bis 1989 hatten wir unser Domizil bei F.T. Würzburg, auf deren Platz wir die Meisterschaftspiele und Trainingsabende absolvierten. Für diese 30-jährige Gastfreundschaft sagen wir ganz herzlichen Dank. Erst als F.T. Würzburg den Platz wegen ausgeweiteter eigener Trainingskapazitäten n unserem gewohnten Trainings-Donnerstag nicht mehr zur Verfügung stellen konnten, gingen wir auf die Suche nach einem anderen Sportplatz. Wir waren froh, dass uns die Stadt Würzburg die Benutzung des Sportplatzes am Waldfriedhof gestattete. Leider fehlte uns dort ein Umkleideraum mit Duschmöglichkeit in Sportplatznähe, so dass wir entsprechende Einrichtungen des SV Heidingsfeld benutzen müssten. Ein Dankeschön an den damaligen Vorsitzenden Herrn Franke, der uns diese Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat.

Fussball Vizemeister 1964

Deutsche Gehörlosen-Pokalmeisterschaft 1964 am 31.10.1964 in Einbeck gegen "Comet" Berlin 2:4

Seit 1994 haben wir eine Heimat beim SC-Heuchelhof und sind bis heute dort. Einen Herzlichen Dank an den 2. Vors. Herr Wich, der sich bereit erklärte, den Gehörlosen-Sportverein aufzunehmen. Von 1963 bis 1974 machte unsere Fußballmannschaft bei den Punktspiele in der C-Klasse (heute A-Klasse) mit und schnitt dabei recht gut ab.

Den älteren Mitgliedern wird noch unsere Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Vereins im Jahre 1965 in Erinnerung sein. Über 500 Besucher hatten sich zum Festabend in den damaligen Huttensälen eingefunden. Während in diesem Jahr 80 Mitglieder den Verein bildeten, kann unser Gehörlosen-Sportverein heute die stolze Zahl von über 250 Mitgliedern, in 10 Abteilungen verzeichnen: ein erfreuliches Anwachsen, das uns natürlich auch mehr Möglichkeiten - man denke an die Vielfalt der Abteilungen - verschafft.

1967 wurde eine Schachabteilung gegründet, zu der sich 14 Schachspieler zusammen fanden. Einzelheiten darüber sind an anderer Stelle zusammen gestellt.

Der größte Erfolg unseres Sportvereins waren und sind die herausragende Sportler, die mit Fleiß und Eifer ihre sportlichen Talente trainierten und erfolgreich für unseren Sportverein einsetzten. Deshalb sollen im folgenden einige dieser Sportler namentlich hervorgehoben werden.

So nahmen an den Weltspielen der Gehörlosen (heute Deaflympics) folgende Fußballspieler teil:

1957 Mailand (Italien) Franz Schneider

1965 Washington (USA) Gerhard Ehrenreich, Walter Henke und Wilhelm Lutz
Sie errangen die Bronzemedaille.

1969 Belgrad (Jugoslawien) Gerhard Ehrenreich und Walter Henke

1973 Malmö (Schweden) Erwin Winkelmann

Deutscher und Bayerischer Jugendfußball - Vizemeister 1994

Ein besonderes Ziel der Aktivitäten unseres Sportvereins war stets, mit der Gehörlosen- und Schwerhörigenschule Würzburg eine sportliche Beziehung zu suchen. Die Verhandlungen mit dem damaligen Direktor der Schule, Herrn Moser, der glücklicherweise selbst ein begeisteter Sportmann war, führten zu guten Ergebnissen und einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Seit 1993 besteht eine Arbeitsgemeinschaft "Sport in Schule und Verein". So bestehen seitdem zwischen Gehörlosen- und Schwerhörigenschule und dem GSV Würzburg vielfältige sportliche Kontakte und es findet ein regelmäßiger Austausch statt, den auch der jetztige Direktor der Dr.Karl-Kroiß-Schule, Herr Dössinger, sehr fördert. Erster Schritt der Kontakte war es, dass mehrere Schülerinnen und Schüler dem GSV Würzburg beitraten und bei uns an den Trainingsabenden teilnehmen konnten.

1975 fand in Würzburg das erste Bayerische Gehörlosen-Sportfest statt, dessen Ausrichtung der GSV Würzburg übernommen hatte. Nachdem wir jahrzehntelang unsere Treffen in Vereinsgaststätten oder Gasthäusern hatten abhalten müssen, fanden wir zu unser aller Freude schließlich eine Heimstatt im Hörgeschädigtenzentrum Würzburg, wo wir seit 1979 eine eigene "Bierstube" jetzt "Gehörlosen-Treff" haben, in der wir unsere Versammlungen und Treffen abhalten. Freundlicherweise stellt die Stiftung zur Förderung hör- und sprachgeschädigter Kinder und Jugendlicher uns diese Räumlichkeit kostenlos zur Verfügung; für diese großzügige Untestützung auch des geselligen Teils unseres Vereinslebens danken wir der Stiftung recht herzlich. Und so erleben "unsere" Gehörlosen seit über 20 Jahren fröhliche Feste, hitzige Diskussionen, nachdenkliche Gespräche und viele fruchtbare Begegnungen. Sie ist Zentrum und Treffpunkt für uns Gehörlose geworden. Leider fehlt uns immer noch eine Begegnungsstätte für Hörbehinderte, wo alle Gehörlosen dort ihre Veranstaltungen haben können.

Auf Anregung der Volleyballabteilung bemühten wir uns auch noch um die Anschaffung eines Kleinbusses, um die jugendlichen Sportler zu ihren Spielen fahren zu können. Und sicher wären unsere Bemühungen am Anschaffungspreis gescheidert, wenn uns nicht die "Aktion Sorgekind" erfreulicherweise im Dezember 1989 einen 9-Sitzer-Bus gestiftet hätte, zu dem wir nur einen Anteil zu bezahlen hatten. Dieser Bus ermöglicht uns Fahrten zu den sportlichen Veranstaltungen, besonders für die jugendlichen Mitglieder. Darüber hinaus wollen wir den Bus auch verstärkt für Abholen verwenden, also auch unsere älteren Mitglieder zu Veranstaltungen fahren.

Zu unserem 50 jährigen Bestehen, das wir im Jahre 1990 feierten, kamen über 700 Besucher in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim. 60 Jahre Fußballabteilung. Es gab höhen und tiefen. Seit 1999 spielen die Fußballmannschaft wieder in der A Gruppe um die Bayerische Fußballmeisterschaft der Gehörlosen. Von 1993 bis 2001 hat der GSV eine Jugendmannschaft gehabt, die leider nur die Vizemeisterschaft errungen hat. Wir hoffen, dass die Fußballabteilung gute Fortschritte macht.


Das waren einige Daten, Fakten und Streiflichter aus unserer 70-jährigen Vereinsgeschichte, die - das darf man ohne Übertreibung sagen - nach einigem Auf und Ab in ihrem ersten Jahrzehnt durch eine stete Aufwärtsentwicklung gekennzeichnet ist.

So können wir heute mit etwa 200 Mitgliedern trotz einer angespannten Finanzlage ruhig in die Zukunft blicken. Der Sport schenkt uns viel Freude und sit vor allen von großem gesundheitlichen Nutzen. Daß darüber hinaus die Vereinsarbeit eine Fülle menschlicher Begegnungen ermöglicht, zwischen Gehörlosen, Schwerhörigen, Spätertaubten und Hörenden, dass wir Gehörlosensportler wie selbstverständlich zum großen Kreis der Würzburger oder Sportler gehören, das wird uns nicht zuletzt durch unseren Sportverein ermöglicht.

Stand: 26.04.2009

   
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